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{Canon P29-D} Es war ein langer Weg von den alten Canolas der ersten 70er Jahre bis hin zu den Tischrechnern, die man 20 Jahre später für wenig Geld nachgeworfen bekam. Dabei ist einiges auf der Strecke geblieben - was sich aber natürlich auch im Anschaffungspreis der Geräte bemerkbar machte.

Canon P29-D

Hier (eigentlich noch nicht wirklich ein Museumsstück) die Canon P29-D - ein Allerwelts-Tischrechner mit VFD und Drucker... Das Gerät wurde mir freundlicher Weise von einem netten Menschen gespendet! Vielen Dank dafür!

Canon P29-D

Besser geworden sind neben den rechnerischen Fähigkeiten auf jeden Fall die ökologischen Kennwerte... 70mA Stromverbrauch sind ein Fortschritt...

Canon P29-D

Was definitiv nicht besser geworden ist, das kann man im Inneren des Gerätes bewundern: billigste Platinen, Drahtverhau, selbstschneidende Schrauben, Clipse und eine ultrabillige Gummitastatur - der Laie wundert sich, der Elektroniker kämpft mit dem Brechreiz.

Canon P29-D

So kann man aus DIL auch SMD machen... man spart 40 Bohrlöcher und lässt die Beinchen von Billiglohnkräften umbiegen... Auweh!

Canon P29-D

Der Haufen ist ein Rechner...

Canon P29-D

Hier mal die Tastatur - immerhin funktioniert sie jahrzehntelang klaglos!

Canon P29-D

VFDs haben mich schon seit meiner Kindheit fasziniert - dieses phosphoreszierende Leuchten, die Andeutung eines Glühfadens...

Canon P29-D

Aber kommen wir jetzt mal zu dem Teil der Maschine, welches wirklich eine genaue Analyse wert ist: dem Drucker. Wer noch dem EP-102 aus den alten Canolas kennt, der wird hier verwundert die Augen reiben: diese 50g Plastik können tatsächlich drucken? Hier wurden die Kosten für ein Druckwerk auf das absolute Minimum reduziert - auch eine Ingenieursleistung erster Güte. Kann man machen, fühlt sich dann halt scheiße an.

Canon P29-D

Canon ist seinen Druckerlieferanten lange treu geblieben - auch dieses Teil stammt von Epson, hier wohl eher von Epenkelson... Nach gründlicher Reinigung (ja, ich mag keine dreckigen Teile...) können wir uns das Funktionsprinzip dieses Druckers genauer ansehen.

Canon P29-D

Der Drucker ist ein Wunderwerk - ausgelegt auf 18 Spalten (hier sind nur 16 aktiv) und minimalen Bauraum ähnelt er einem Walzendrucker.

Canon P29-D

Der eigentliche Drucker ist nur die Walze - der Rest dient nur als Lager und als Gegenhalter für das Papier... Der Rest befindet sich genau da, wo man beim EP-102 noch sinnlos Platz verschwendet hat: in der Walze drin!

Canon P29-D

Was aussieht, wie ein alter Metalllockenwickler, ist die Druckwalze. Auf dieser ist eine Gummimatte mit erhabenen Lettern auf der Außenseite und Stempeln auf der Innenseite aufgelegt. Jewils gleiche Ziffern sind auf zwei Zeilen je eine Stelle versetzt angebracht - aus gutem Grund!

Canon P29-D

Hier sind die Stempelnoppen zu sehen. Auf diese drückt von innen ein Elektromagnet und hebt damit die zu druckende Zahl etwas von der Rolle ab - gegen das Papier.

Canon P29-D

Hier sieht man schon etwas von den Elektromagneten im Inneren.

Canon P29-D

Weil keine 18 Magnete in das Innere passen, hat man sich einen Trick ausgedacht: jeder Magnet betätigt über die breiten Stößel zwei Noppen der Gummifolie. In der ersten Zeile die ungeraden Stellen und in der zweiten Zeile die geraden Stellen - Aktuator-Multiplexing, quasi.

Canon P29-D

Bleibt noch die Frage nach der Druckfarbe. Diese wird über eine Schwammrolle permanent auf alle Lettern der Gummifolie aufgerollt, daher versifft das Teil auch so nach vielen Jahren der Benutzung.

Canon P29-D

So ganz uninteressant ist also auch ein solches "modernes" Gerät nicht.

Canon P29-D

Ach ja - noch eine wichtige Frage: wie geht das hier mit dem Zeilenvorschub? Die Antwort liegt auf der Gummimatte... die Noppen ganz rechts werden einfach so lange betätigt, bis das Papier eine Zeile weiter geschoben wurde, im Gegensatz zu den Zahlen, die nur ganz kurz aktiviert werden, damit das Druckbild nicht verwischt!

Canon P29-D


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