|
Mike McBike @ Home / Commodore / C64 Wrack |
|
21.03.2026 {Ein schönes C64-Wrack} Die schönsten Exponate sind diejenigen, die man a) geschenkt bekommt und die b) hoffnungslos kaputt sind. Ich liebe Herausforderungen! Ein herzliches Dankeschön an Dominic an dieser Stelle! Die Taste fehlt und der Tastenstößel ist seltsam festgebacken... Dafür, dass das Teil länger im Freien lag, sieht es innen nicht mal schlecht aus. Diagnose: irgendwer hat mal eine ganze Ladung Aceton auf die abgebrochene Taste gekippt. Viel hilft viel. Die Abschirmpappe zeigt Spuren von Feuchtigkeitslagerung. Eine Spielwiese für Mikrobiologen. Der LED-Stecker ist interessant. Die Verriegelungslasche ist nicht abgebrochen, die liegt tatsächlich horizontal. Die Pins sind aber vertikal. Ist das eine billige Fehlproduktion gewesen? "Wir haben 1.000.000 Stecker falsch gemacht, wollt ihr nicht billige C64 daraus bauen?" Für den Verwesungszustand der Pappe sieht die Platine richtig gut aus... Hier in voller Auflösung. Es sind alle ICs noch da, das ist bei Wildnisfunden selten! Der VIC2 Grafikchip in hübscher Keramikversion: Portbausteine, ROM, CPU 6510 und das berüchtigte PLA, sowie der SID sind alle beieinander - und gesockelt! Die Platine ist erstaunlich wenig verbastelt. Allerdings war da schon so ein Recap-Spezialist am Werk... Warum professionell, wenn man auch pfuschen kann? Der 7406 ist ein typisches Opfer von falsch verbundenen Serial Ports... auch hier: warum professionell, wenn man auch pfuschen kann? Immerhin schützt dieser Opferbaustein ab und an mal die CIA vor einem schnellen Tod... Jetzt hab ich einfach Mut zur Lücke: ein original-Netzteil hab ich da. Anschließen, einschalten und - Black Screen. Nichts geht. die Thermokamera erzählt mir was von sehr heißen RAM-Chips. Mit den funktionsfähigen 4164 wird's auch gleich nicht mehr so warm und der Datenbus sieht etwas "richtiger" aus. Die ROMs sind im thermischen Normalbereich... Das PLA auch... Ein Datenbit ist permanent high. Entweder hat der was geraucht oder einer der Teilnehmer ist kaputt. ich bin gespannt! {Reparatur} Es ist immer gut, wenn man zu Vergleichszwecken baugleiche Geräte zur Hand hat. Da kann man zumindest mal die Custom-Chips testen und sehen, wie es aussieht, wenn es funktioniert... Der neue RAM-Baustein hebt das Beinchen... Daran liegt es aber nicht. Der Datenbus sieht ganz komisch aus. Die Zwischenwerte sollen so nicht sein. Ich verdächtige die ROM-Chips, die sind es aber leider auch nicht. Dafür haben sie jetzt hübsche neue Sockel... Falls mal was sein sollte, sind sie schnell gewechselt. Die unteren vier Bit des Datenbusses sehen besonders schlimm aus - hier trennt ein 4066 Analogschalter die Daten vom Color-RAM. Nach dessen Tausch... ... sehen die Pegel deutlich besser aus, die Kiste läuft aber trotzdem nicht. Jetzt mache ich das, was ich eigentlich schon am Anfang hätte machen sollen. Ich teste die Signale an der CPU. Der Reset liegt auf soliden 0,5V - Dauerreset! Die CPU läuft überhaupt nicht! Das ist eine Besonderheit des C64: auch wenn die CPU nicht läuft, gibt es vielfältige Aktionen auf Daten- und Adressbus... Muss man wissen! Schuld ist der dilettantisch getauschte 7406 - der ist nämlich kaputt. Ich wollte den eh richtig einlöten... Schon läuft die Kiste! Letztendlich hat alles funktioniert, bis auf die defekten RAMs und den 7406. Da hab ich mir ein Bier verdient - eine gute Alternative zu Schnapspralinen. Das PLA war übrigens auch defekt: der Ausgang I/O ist stuck low. Erstaunlicher Weise läuft die Kiste auch damit an, ich fürchte aber, dass diverse Funktionen im I/O-Bereich nicht richtig angesprochen werden! Jetzt noch die Tastatur reinigen - an eine Reparatur ist nicht zu denken. Das Aceton hat die Commodore-Taste gekillt und die Leertaste etwas beschädigt... zum Testen und für einfache Basic-Programme reicht es. Die Abschirmpappe wird mit Essigreiniger geputzt und dann sorgfältig gebügelt. Not great, not terrible. Dann kann die Kiste wieder zusammengebaut werden... Nach einer gründlichen Außenreinigung sieht der C64 gar nicht mal so schlecht aus: Mut zur Lücke. Wieder ein Patient genesen. Es gibt fast nichts, was man nicht reparieren kann. Vielleicht fällt mir ja mal eine Ersatztastatur in die Hände, dann wäre die Reparatur perfekt! |
| © 2013 - 2026 · W. Robel | e-Mail senden |