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04.10.2026 {EVM 100 - Das Voltmeter aus der Entwicklerhölle...} Aus einem bekannten Elektronikforum ist mir ein Voltmeter zugelaufen, welches so schräg ist, dass ich es unbedingt haben wollte: ein EVM 100. Auf den ersten Blick springen einem schon mal die hübschen ZM1000 Nixies ins Auge. Aber das soll noch lange nicht alles sein, was einen hier so anspringt... Das Voltmeter besticht durch einen simplen Aufbau: Single Slope Messverfahren diskret. Oder auf gut Deutsch: "Sägezahnverleich". Alle ICs sind gesockelt, die Röhren ebenso! Das Layout ist - wen sollte es im Jahre 1973 wundern? - äh... rund. Die niederländische Elektronikzeitschrift "Radio Bulletin" in der Ausgabe Mai 1973 hat diese Schaltung veröffentlicht. Die Schaltung ist so einfach, wie es nur geht: Sägezahngenerator, Monoflop, Komparator und Zähler. Für heftige DM 240,80 konnte man dieses Gerät alsbald bei diversen Versendern erstehen. Als Ersatz für ein Drehspulinstrument wohlgemerkt! Gib 10x so viel Geld, bekomme... tja, was bekommen wir hier für diese Investition in High-Tech? Wir bekommen schiefe Sockel! Wer im Layout Drahtbrücken unter Röhrensockeln vorsieht, kommt auf die schiefe Bahn! Profis biegen die Pins der Röhren in die andere Richtung, dann stimmt wieder alles.... Wir bekommen Elkos der fragwürdigen Sorte, O.K., das war damals noch kein Problem, 53 Jahre später hab ich die mal alle gegen gute Bausteine getauscht. Wir bekommen kein stabiles Ergebnis... Das könnte daran liegen, dass die Logikspannung 5V bei 8,5V liegt... Da wird schlicht nichts geregelt. Das war in den ersten Lebensjahren dieses Gerätes sicher auch noch kein Problem, aber die Zener-Diode sieht heute nicht mehr gut aus. Wo ist Carglass, wen man es braucht? Krack! Wenn die Zener läuft, laufen die 5er auch. Die Spannung ist wieder stabil. Alle TTLs haben die Tortur unbeschadet überlebt! Das Layout ist so grandios verbockt, es hat eine Viertelstunde gedauert, bis ich die Ersatzdiode in die Lötaugen hineinbekommen hatte. Aber die Anzeige stimmt jetzt wenigstens. Aufgrund der fehlenden Isolierabstände, die man bei diesem Gerät übrigens auch noch bekommt (zusätzlich zur fehlenden Sicherung), habe ich mir einen Trenntrafo gegönnt! Was man noch bekommt: ein hoffnungslos unterdimensioniertes Netzteil! Der Regeltransistor für die 5V wird schnell sehr heiß. Die Anzeige täuscht aufgrund des falschen Emissionsfaktors des silbernen Gehäuses. Die Spuckeprobe sagt "Zisch!". Das ist sicher auch mit ein Problem der heute höheren Netzspannung, aber auch mit 220V war das Netzteil hoffnungslos überlastet. Der Trafo wird bei 230V übrigens auch gut warm! Hier noch ein Filmchen, in dem man gut sieht, wie tapfer die Zähler bei Werteüberlauf bis zum bitteren Ende durchzählen. Es gibt keine Latches, jeder Zählerwert wird sofort angezeigt. Das MP4 hat 18MB - nicht wundern! Bei gültigem Wertebereich geht die Anzeige fix: schnell ist der Endwert erreicht und der steht dann auch genügend lange an, dass man den Zählvorgang eigentlich nicht wahrnimmt. Dieses MP4 bringt 21MB auf die Waage. Fazit: dieses "Messgerät" ist eine imposante Samlung an Beispielen, wie man es als Elektronikentwickler nicht machen sollte. Und gerade das macht es für mich so interessant. Sind meine Ansprüche zu hoch oder war das damals einfach ein besonders frecher Marketing-Move? |
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