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12.01.2026 {BACH Türgong} Meine Äußerungen bezüglich der alten DDR- und UDSSR-Technik auf Zerobrain werden oft mal missverstanden. Empfindliche Gemüter wittern hinter jedem humorigen Wort eine despektierliche Grundhaltung. Das ist definitiv nicht so! Ich bewundere die Hobby- und Ingenieursleistung, aus einfachsten Bauteilen mit reduzierten technischen Mitteln das Maximum herauszuholen! Im Überfluss lässt es sich leichter Entwickeln als in einer Mangelwirtschaft! Was für die Industrie schon eine Herausforderung war, war im Hobbybereich ungleich schwerer. Hier war extremes Improvisationsvermögen gefordert. Ein tolles Beispiel aus dem Beginn der 80er Jahre aus den fünf neuen Bundesländern, die sie damals noch lange nicht waren, erreichte mich als völlig unerwartete Spende. Dieses Exponat und die darin steckende Leistung haben mich wirklich beeindruckt. Und deswegen möchte ich es hier im Detail vorstellen. Wer es sich schon mal anhören möchte: hier ist die WAV-Datei. Auf der Vorderseite zwei Europakarten, die das Wesentliche verdecken. Darunter eine bis zur Grenze bestückte Experimentierplatine und ein fetter Lautsprecher. Es präsentiert sich uns ein Türgong, der auf Knopfdruck die Tonfolge B-A-C-H abspielt. Aber nicht nur die einfachen Töne, sondern jeweils gleich einen harmonischen Dreiklang dazu. Meine Erinnerung an die ersten "spannenden" Elektronikexperimente mit Tonerzeugung war ein NE555... Im Kasten befinden sich noch ein Taster zur Handauslösung und ein Poti zur Lautstärkeregelung. Ein Netzteil für die Wechselspannungsversorgung hat sich auf der Platine auch noch versteckt. Das Schiebepotentiometer: Links oben ist der Taster. Die 12 Trimmer sind zur Tonhöheneinstellung. Ebenso die 12 Folienkondensatoren im quadratischen Gehäuse. Solider Anschluss über Lüsternklemmen. Fun Fact: deren Name leitet sich nicht von der sexuellen Erregung sondern vom französischen "lustre" ab, was "Glanz" bedeutet und auf den glänzenden Kronleuchter hinweist, der dereinst (und noch heute) mit diesen Klemmen angeschlossen wird. Längsschlitze in Pappe... eine kritische Aufgabe. In sehr hoher Auflösung: die Elektronik. Wer einen Microcontroller oder diverse Zählerbausteine erwartet, wird hier eines Besseren belehrt. Die Klangfülle wird alleine durch 5 Stück V4093D (vier Schmitt-Trigger NAND-Gatter) erzeugt! Das muss eine Mühe gewesen sein. Und es funktioniert 45 Jahre später immer noch auf Anhieb! Für diejenigen, die sich in Reverse Engineering üben wollen: die hochauflösende Unterseite. Mir fehlt leider der Schaltplan - aber ich will trotzdem wissen, wie das Gerät eigentlich funktioniert! Mein Oszi hilft mir dabei. Die wichtigste Erkenntnis: wenn man Digitaltechnik und Analogtechnik gnadenlos miteinander verknüpft, dann kann man mit wenig Bauelementen tolle Sachen machen. Der Ablauf eines Läutezyklus wird durch die Ladekurve eines Elkos bestimmt. Den Rest machen dann die Schaltschwellen der NAND-Gatter. Trickreich verschaltet ergeben sich dann vier Phasen, die jeweils drei andere Tonhöhen erzeugen. Zwischendrinn sieht es dann wüst aus. Wenn man die relativ zuverlässigen Schmitt-Trigger-Schwellen der NAND-Gatter nutzt, kann man mit einem Kondensator, einem Widerstand und einem Gatter einen Oszillator bauen: 322 Hz. 400 Hz. 714 Hz. 625 Hz und noch einige mehr. Trickreich geschaltet gibt das eine eindrucksvolle Tonfolge. Das hier ist der Digitalbaustein V4093D, den gibt es auch als 4093 im Westen... Und im Texas Instruments Datenblatt ist auch beschrieben, wie man damit einen astabilen Multivibrator baut. Provokante Frage: wer von uns könnte das heute noch? |
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